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Einzelcoaching im Alltag: Wie eine Sitzung wirklich abläuft
Journal Einzelcoaching

Einzelcoaching im Alltag: Wie eine Sitzung wirklich abläuft

Ein Blick hinter die Kulissen: Wie wir Einzelsitzungen vorbereiten, die Videoanalyse nutzen und aus Ihren echten Gesprächssituationen einen persönlichen Übungsplan entwickeln.

Dr. Katharina Lindemann 5 Minuten Lesezeit

Vor der ersten Sitzung: Was wir von Ihnen wissen möchten

Bevor wir uns im Seminarraum gegenübersitzen, bitte ich Sie um eine kurze schriftliche Schilderung. Sie beschreiben darin zwei oder drei Situationen, in denen Sie sich nicht so ausgedrückt haben, wie Sie es wollten: eine Besprechung, in der Ihnen der Faden riss, ein Vortrag, der länger wurde als geplant, ein Gespräch, in dem Sie später die bessere Formulierung fanden.

Diese Schilderungen sind das Rohmaterial der Arbeit. Ein allgemeines Programm kann nur auf allgemeine Schwächen eingehen. Im Einzelcoaching dagegen geht es um Ihre Gesprächspartner, Ihre Themen und Ihren Alltag. Ob Sie Zahlen vor einem Gremium erklären oder Mitarbeitenden eine schwierige Entscheidung vermitteln: Wir üben das, was Ihnen tatsächlich bevorsteht.

Dazu gehört auch die Frage, wie viel Zeit Sie haben. Manche Teilnehmende möchten in wenigen Wochen auf einen bestimmten Termin hinarbeiten, andere wünschen sich einen ruhigeren Rhythmus über längere Zeit. Beides lässt sich planen, solange wir es zu Beginn offen besprechen.

  • Zwei bis drei konkrete Gesprächssituationen aus Ihrem Berufsalltag
  • Ihr Ziel in einem Satz, etwa: ruhiger antworten
  • Terminrahmen und mögliche Fristen

Die Aufnahme: Warum wir Sie filmen

Die erste Übung ist unspektakulär: Sie sprechen zwei Minuten zu einem Thema Ihrer Wahl, danach eine kurze Stegreifantwort auf eine Frage, die Sie vorher nicht kennen. Beides wird mit der Kamera aufgenommen. Die Aufnahme dient keiner Bewertung, sondern als Spiegel, den im Alltag niemand hat.

Die meisten Menschen sind überrascht, wie sich ihr Sprechen von der eigenen Wahrnehmung unterscheidet. Was sich innen wie eine Denkpause anfühlt, wirkt außen wie ein klar gesetzter Einschnitt. Umgekehrt fallen Füllwörter, abgebrochene Sätze oder ein ansteigendes Tempo auf, die man beim Sprechen selbst nicht bemerkt.

Die Aufnahme bleibt bei Ihnen und in der Sitzung. Wir sehen sie gemeinsam an, halten an, spulen zurück und benennen, was bereits gut trägt. Dieser Teil ist wichtig, denn Veränderung beginnt nicht bei den Fehlern, sondern bei dem, was Sie schon können und gezielt ausbauen möchten.

Gemeinsam hinschauen: Die Analyse Schritt für Schritt

Beim Ansehen der Aufnahme gehen wir in einer festen Reihenfolge vor. Zuerst fragen wir nach der Struktur: Gibt es eine erkennbare Kernaussage, und steht sie dort, wo Zuhörende sie brauchen? Danach betrachten wir Wortwahl und Satzbau, dann Stimme, Tempo und Pausen. So vermeiden wir, dass alles auf einmal verändert werden soll.

Matthias Wendt unterstützt bei Fragen der Gliederung, Elena Brandt bei Atem und Stimme, wenn es für Ihr Anliegen sinnvoll ist. Sie müssen das nicht entscheiden: Ich schlage vor, wo eine zweite Sicht hilft, und Sie sagen, ob es zu Ihrer Situation passt.

Am Ende der Analyse steht eine Auswahl, keine Liste. Wir einigen uns auf höchstens zwei Punkte, an denen Sie bis zur nächsten Sitzung arbeiten. Erfahrungsgemäß bringt ein gut gewählter, klar umrissener Schwerpunkt mehr als ein Katalog an Verbesserungswünschen, der im Alltag untergeht.

  • Reihenfolge: Struktur, Wortwahl, Stimme
  • Höchstens zwei Schwerpunkte pro Sitzung
  • Weitere Dozenten nur, wenn es Ihrem Anliegen dient

Der persönliche Übungsplan

Aus den Schwerpunkten entsteht ein schriftlicher Übungsplan. Er ist bewusst kurz gehalten und passt auf eine Seite. Er nennt die Übung, die Dauer und den Anlass, an dem Sie sie anwenden: etwa einen Satz vor jedem Telefonat laut formulieren oder die Kernaussage einer Besprechung vorab in zwanzig Wörtern festhalten.

Entscheidend ist, dass die Übungen in Ihren Tag passen. Wer zehn Minuten am Morgen findet, bekommt zehn Minuten Aufgaben. Wer hauptsächlich unterwegs ist, übt im Auto oder auf dem Weg zum Termin. Ein Plan, der zusätzliche Zeit voraussetzt, die Sie nicht haben, wird nicht befolgt, und das wäre unser Fehler, nicht Ihrer.

Zwischen den Sitzungen können Sie Aufnahmen Ihrer Übungen mitbringen. Wir sehen sie an, wie wir die erste angesehen haben, und passen den Plan an. Manche Übung wird gestrichen, weil sie nichts mehr bringt, andere kommen hinzu. Der Plan bleibt ein Arbeitsdokument und wächst mit Ihnen.

Was in den Folgesitzungen geschieht

Jede weitere Sitzung beginnt mit einer Rückschau: Was haben Sie ausprobiert, was war schwer, wo hat es im echten Gespräch funktioniert? Diese Berichte sind aufschlussreicher als jede Übung, denn sie zeigen, ob sich das Gelernte außerhalb des geschützten Raums bewährt.

Danach simulieren wir eine Ihrer Situationen. Ich spiele die Gegenseite, stelle die Fragen, die Ihnen unangenehm sind, und unterbreche, wenn es im echten Gespräch ebenfalls vorkäme. Das klingt streng, geschieht aber in ruhigem Ton, und Sie bestimmen, wie schwer es sein soll.

Mit der Zeit verschiebt sich das Verhältnis: Zu Beginn führe ich durch die Analyse, später benennen Sie selbst, was Ihnen an einer Aufnahme auffällt. Genau das ist das Ziel. Sie sollen die Beobachtung, die wir gemeinsam üben, am Ende allein beherrschen und nicht dauerhaft auf eine zweite Meinung angewiesen sein.

  • Rückschau auf den Alltag seit der letzten Sitzung
  • Simulation einer echten Gesprächssituation
  • Schrittweise Übergabe der Analyse an Sie

Realistische Erwartungen

Einzelcoaching ersetzt keine Persönlichkeit und verspricht keine Wandlung über Nacht. Es verbessert, was sich üben lässt: die Ordnung Ihrer Gedanken, die Genauigkeit Ihrer Sprache, den Umgang mit Pausen und Nervosität. Wie schnell Sie Fortschritte bemerken, hängt davon ab, wie regelmäßig Sie zwischen den Sitzungen üben.

Viele Teilnehmende berichten nach einigen Wochen von kleinen, aber deutlichen Veränderungen: weniger Füllwörter, ein ruhigerer Beginn von Wortbeiträgen, mehr Gelassenheit bei unerwarteten Fragen. Das sind Beobachtungen aus der Praxis, keine Zusagen. Jeder Mensch bringt andere Voraussetzungen mit.

Voraussetzung für das Coaching ist lediglich die Bereitschaft, sich auf Video anzusehen und Übungen im Alltag auszuprobieren. Vorkenntnisse in Rhetorik brauchen Sie nicht. Wenn Sie unsicher sind, ob das Format zu Ihnen passt, schildern Sie uns Ihre Situation über das Kontaktformular, und wir sagen Ihnen ehrlich, was wir dazu empfehlen.

Einzelcoaching ist handwerkliche Arbeit an Ihrem eigenen Sprechen: Wir schauen genau hin, wählen wenige Schwerpunkte und üben sie dort, wo Sie sie brauchen. Es gibt keine Abkürzung, aber einen klaren Weg, der mit einer ehrlichen Schilderung Ihrer Situation beginnt. Wenn Sie wissen möchten, ob er zu Ihnen passt, schreiben Sie uns über die Kontaktseite.

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